9/11 und JFK: Verschwörungstheorien – wenn’s der Wahrheit dient

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In diesem kurzen Text soll es um zwei Ereignisse gehen, deren Hintergründe offiziell aufgeklärt sind. Doch tatsächlich bleibt vieles im Dunkeln und die Verschwörungstheoretiker sind die, die anderen unterstellen, den Pfad der Fakten verlassen zu haben. Wir sprechen über 9/11 und die Ermordung von John F. Kennedy.

Eines vorweg: Wer erwartet, durch diesen Artikel in den Besitz der einzigen Wahrheit zu gelangen, wird enttäuscht sein. Die Ereignisse, um die es geht, sind so komplex, dass der Anspruch, nun alles ein für alle Mal aufzuklären, naiv wäre. Es geht also weniger um die Wahrheitssuche als um die Frage, wie eine solche Wahrheit zustande kommt und von wem sie konstruiert wird.

JFK: Kopf im Nacken

Um den Tod der US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy ranken sich zahlreiche Erzählungen, doch die Einzeltäterthese gilt in den offiziellen Darstellungen nach wie vor als die korrekte. Der Filmemacher Oliver Stone hat sich mit dem Attentat auf Kennedy intensiv beschäftigt und einen Spielfilm sowie einen Dokumentarfilm dazu gedreht.

Was Stone in seinen Filmen zeigt und zur Diskussion stellt, ist so offenkundig, dass eine Diskussion darüber das Naheliegende wäre. Doch die Geschichte über den Einzeltäter Lee Harvey Oswald hält sich hartnäckig. Besonders die Wikipedia tut sich mit teils wirren Erklärungsversuchen hervor. So lässt sich nachlesen, dass der tödliche Schuss von hinten gekommen sein muss, also von dem Standort aus, an dem sich Oswald befunden haben soll.

Zitat Wikipedia:

Die These um den „Kopfruckler“ beruhe auf der falschen Grundannahme, dass beim Auftreffen einer Kugel aus einer Feuerwaffe auf ein Objekt dieses nach dem Prinzip des Impulserhaltungssatzes beim Aufschlag stark zurückgeworfen werde. Tatsächlich kann ein bewegter Körper einen ruhenden Körper in Bewegung versetzen, allerdings nur, wenn beide eine einigermaßen gleich große Masse besitzen, wie z. B. beim Kugelstoßpendel. Dies gelte allerdings nicht, wenn ein wenige Gramm schweres Projektil auf den Körper eines Menschen oder auch nur dessen immer noch viel zu schweren Kopf trifft.[8] Ursachen für die Bewegung des Kopfes nach hinten, entgegen der Fahrtrichtung, könnten (gemäß dem Trägheitsprinzip) die während des letzten Schusses stattfindende Beschleunigung des Wagens, die abschüssig nach links verlaufende Straße oder auch ein letztes Aufbäumen der Muskeln im Körper und damit das Zurückfallen des schlaffen Kopfes gewesen sein.“

Man müsste sich intensiv mit diesen Thesen beschäftigen, um sie zu bestätigen oder zu widerlegen. Aber schon beim bloßen ersten Hinsehen kommt zumindest ein Gefühl der Skepsis auf, wenn die Wikipedia behauptet, die Bewegung des Kopfes von Kennedy könne mit der Geschwindigkeit des Wagens zusammenhängen, in dem er saß. Das Auto fuhr in Schrittgeschwindigkeit, was kaum ausreicht, um die Bewegungen zu erzeugen, die man auf alten Aufnahmen sehen kann. Die Idee, Kennedy könnte nach den Schüssen bzw. dem eigentlichen Todesschuss durch die abschüssig verlaufende Straße zu der entsprechenden Bewegung des Körpers gekommen sein, erscheint mindestens ambitioniert, und das sogenannte „letzte Aufbäumen“ der Muskeln im Körper wirkt doch sehr konstruiert, wenn man bedenkt, dass Kennedy in den Kopf geschossen wurde und welche erzwungenen Bewegungen sich daraus ergeben.

In diesem Text soll es aber, wie gesagt, nicht um die endgültige Aufklärung des Mordes an Kennedy gehen, und vermutlich können kluge Leser schon an dieser Stelle alle Fragezeichen, die bisher aufgetaucht sind, mit einer Geste des Allwissens wegwischen. Im Fokus stehen die Behauptungen, die keine andere Erzählung als die offizielle zulassen. Eine Google-Suche nach Lee Harvey Oswald mit der Fragestellung, ob er ein schlechter Schütze gewesen sei, fördert gleich als erstes einen KI-Eintrag zutage.

Anmerkung: Es läuft bei künftigen Online-Suchen darauf hinaus, in erster Linie KI-generierte Ergebnisse anzuzeigen. Statt einer großen Anzahl an Vorschlägen auf eine gestellte Frage wird es in Zukunft vermutlich so sein, eine einzige Antwort anzubieten. Ende der Anmerkung.

Während die Wikipedia die Annahme, Oswald sei ein schlechter schütze gewesen, noch mit gegenteiligen Thesen zu widerlegen versuchte, kommt die KI bei der Google-Suche zu einem eindeutigeren Ergebnis:

Ob Lee Harvey Oswald ein schlechter Schütze war, ist eine kontroverse Frage. Einerseits traf er mit zwei von drei Schüssen auf Präsident Kennedy und den Officer Tippit, was für eine gewisse Treffsicherheit spricht. Andererseits traf er bei Übungsschüssen vor dem Attentat nicht immer sein Ziel und einige Experten argumentieren, dass er Glück hatte, die entscheidenden Treffer zu landen.“

Das Prinzip der KI ist klar: Einerseits spickt die sie ihren Eintrag mit widersprüchlichen Aussagen, was eine gewisse Ausgewogenheit vermittelt. Andererseits stellt sie ohne jeden Zweifel fest, dass Oswald Kennedy getötet haben soll. Damit werden sämtliche Überlegungen und Argumente, die die Einzeltäterthese in Frage stellen könnten, als absurd und schlicht falsch eingeordnet.

Ausgangspunkt einer seriösen und lösungsorientierten Debatte über die Hintergründe des Mordes an John F. Kennedy müsste die Frage sein, ob ohne jeden Zweifel nachgewiesen wurde, dass Oswald der Täter war oder nicht. Stellt man diese Frage nicht, sondern bleibt bei der Unterstellung, der Täter, der Einzeltäter, sei bekannt, unterdrückt man jede weitere Diskussion und lässt folgerichtig keine weiteren Erkenntnisse zu.

Jedes Ereignis muss auf Schlüssigkeit und Beweislage hin untersucht werden, bleibt dies aus, kann sich kein vollständiges Bild ergeben. Und selbst, wenn man zum Schluss käme, die genauen Umstände des Todes von Kennedy letztlich nicht aufklären zu können, behindert man sich zusätzlich, wenn man Aspekte, die eine Rolle spielen können oder nachweislich gespielt haben, auslässt, ausblendet, als nicht existent tituliert.

Was als Verschwörungstheorie bezeichnet wird – also die Annahme, dass der Tod Kennedys bis heute nicht gänzlich aufgeklärt wurde -, ist faktisch eher ein Angriff jener Verschwörer, die um jeden Preis verhindern wollen, dass eine sachliche Diskussion über die Hintergründe der Tat angestoßen wird.

Der Film JFK von Oliver Stone zeigt im Übrigen noch etwas anderes: Dass auch eine so große Verschwörung wie der Mord an einem US-Präsidenten trotz des Wissens vieler Personen darüber im Geheimen bleiben kann. Bekanntlich ist ein Zeuge eine ziemlich unzuverlässige Sache, man kennt das aus Beobachtungen von Verkehrsunfällen. Die Aussage „Vier Zeugen, fünf Ereignisse“ nimmt während der Dauer des Films immer mehr Fahrt auf, wenn man sieht, wie mit Einschüchterungen gearbeitet wird, mit Verwirrung bei Befragungen und Angst vor Druck oder gar Mord. All das wurde auf die Zeugen ausgeübt, sodass diese zum Teil ihren eigenen Beobachtungen nicht mehr geglaubt haben.

9/11: Krachend gescheitert

Ebenso wie der Mord an Kennedy angeblich aufgeklärt ist, bleiben auch bei den Anschlägen von „9/11“ keine offiziellen Fragen offen. Wie auch? Das Ausrufen des „Krieges gegen den Terror“ wäre erstens ohne die von der Politik damals aufgestellten Unterstellungen und unbewiesenen Behauptungen nur schwer möglich gewesen. Und die unzähligen Opfer der US-amerikanischen Außenpolitik müssten im Nachhinein völlig neu bewertet werden. Das würde zu unangenehmen Fragen und Verdächtigungen führen, und die wollen die amerikanischen politischen Verantwortlichen um jeden Preis vermeiden.

Nun gibt es aber auf der anderen Seite zahlreiche Experten (Architekten, Statiker, Sprengstoffexperten und viele mehr), die im Laufe der Jahre immer deutlicher Zweifel an der Erzählung der Anschläge von „9/11“ entwickelt haben. Das ist bei einem solchen Ereignis von einer derartigen Tragweite kaum verwunderlich, und vermutlich gab es schon im Jahr 2001 nicht unbedingt weniger Fachleute, die an der offiziellen Erzählung zweifelten. Doch nach und nach kommen sie „aus ihren Löchern gekrochen“ und reden. Sie reden über die Unklarheiten in Bezug auf die Anschläge von damals, und sie tun das mit einem gewissen Selbstvertrauen.

Einer dieser kritischen Köpfe ist Prof. Dr. Maximilian Ruppert. Der Mann ist ein renommierter deutscher Baustatiker und Lehrstuhlinhaber an der TH Ingolstadt. Zu „9/11“ hat er sich lange nicht geäußert, was persönliche Gründe hatte. Als Ruppert sich damals mit den Anschlägen zu befassen begann, steckte er mitten im Studium und wollte eine Familie gründen. Das führte zu einer gewissen Zurückhaltung bei Ruppert, denn das Anzweifeln der offiziellen Erzählung war schon damals ein heißes Eisen. Also schwieg er. Zunächst einmal. Ein paar Jahre lang.

Im November 2023 brach Ruppert sein Schweigen dann auf dem „Congress der klaren Worte“ im Gespräch mit Markus Langemann. Als Sprengstoffexperte, der Ruppert zusätzlich ist, weil er schon als Kind gern mit diesem Zeug namens Sprengstoff spielte, hat Ruppert eine Menge zu sagen. Und nach jahrelangem Warten war es im Jahr 2023 offenbar an der Zeit, seine Eindrücke zu schildern.

Das Video ist zwei Absätze weiter oben verlinkt, es ist hochinteressant zu erfahren, dass Ruppert die technische Absurdität der Einstürze unaufgeregt und kompetent schildert und erklärt. Noch interessanter ist jedoch die Tatsache, dass Ruppert heute bzw. 2023 sagte, dass er nun bereit sei, über seine Eindrücke zu sprechen, denn er habe gewissermaßen „seine Schäfchen im Trockenen“ und inzwischen keine Angst mehr, durch seine Einschätzungen Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Man möchte dem Mann zurufen, dass er sich seiner Sache nicht zu sicher sein und sich selbst nicht zu sehr in Sicherheit wähnen sollte, denn auch heute noch gilt die offizielle Erzählung von „9/11“ als korrekt, die Anschläge werden als aufgeklärt betrachtet. Wer etwas anderes behauptet, ist im besten Fall ein Idiot oder Verschwörungstheoretiker, im schlimmsten Fall muss er mit politischen oder gesellschaftlichen Konsequenzen rechnen.

Was Ruppert in dem Gespräch mit Langemann sagt, reicht nicht aus, um die eine oder andere Version der Anschläge zu belegen. Doch diesen Anspruch hat Ruppert auch gar nicht. Ihm geht es vielmehr um eine Sensibilisierung für das Thema und die eindeutigen Unklarheiten, die bis heute bestehen. Diese Unklarheiten, wie auch andere Aspekte, die einfach nicht stimmig wirken, bringt Ruppert auf den Tisch.

Den Rest überlässt er den Zuhörern.

Wir müssen reden

Und genau das tut auch der Autor dieses Textes: den Rest den Lesern überlassen. Hier soll es nicht darum gehen, dass sich zwei Fraktionen mit argumentativem Schmutz bewerfen. Beide genannten Ereignisse werfen auch heute noch viele Fragen auf, die Zusammenhänge und Beteiligten sind komplex und zahlreich, es grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit, jedes Detail aufzuklären und richtig ein- und zuzuordnen.

Vielmehr ist der Ansatz hier, die Köpfe wieder zu öffnen, den Gedanken freien Raum zu lassen und Fragen zu stellen. Denn daran krankt unsere Gesellschaft. Es werden immer weniger Fragen gestellt, stattdessen immer mehr Antworten geliefert, die unausgereift sind, widersprüchlich, oft unsinnig oder schlicht dumm. Aber sie werden als gesetzt betrachtet, als Antworten, die keine weiteren Fragen zulassen. Psychologisch liegt diese Methode nahe, denn je weniger Fragen im Raum stehen, desto leichter können selbst die absurdesten Antworten als berechtigt tituliert werden, unabhängig von deren Logik oder Sinnhaftigkeit.

Unser Denken ist eingeschränkt, es ist begrenzt, wird beschnitten, und das wird ganz bewusst so gemacht. So, wie Andersdenkende als „Verschwörungstheoretiker“ verunglimpft oder Akteure bestimmter politischer Richtungen als „gesichert rechtsextrem“ eingeordnet werden, so läuft es flächendeckend. Schon die alberne Bezeichnung „gesichert rechtsextrem“ sagt eigentlich alles. Was die Politik sagt und vorgibt, muss als „gesichert“ angesehen werden, das behindert zum einen ein freies und offenes Denken. Es soll aber zum anderen auch ein Vertrauen in die Politik konstruieren, die fatal ist und darüber hinaus zum Nichtdenken anregt.

„Gesichert“ ist heute fast gar nichts. Wir können über den Klimawandel sprechen, über Corona, den Ukraine-Krieg, Israel, Gaza, aber auch über die Suppe oder das Abendkleid. Wer uns einreden will, er käme mit gesicherten Erkenntnissen um die Ecke, wird aller Wahrscheinlichkeit nach erstens lügen und zweitens Zwecke verfolgen, die der Wahrheit ganz sicher nicht dienen.

Aber es gibt unzählige Dinge, die eben nicht sicher oder gesichert sind. Über die müssen wir reden. Weil es der Wahrheitsfindung dient.

 

 

 

 

 

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Tom J. Wellbrock
Tom J. Wellbrockhttps://neulandrebellen.de/
Tom J. Wellbrock ist Journalist, Autor, Sprecher, Radiomoderator und Podcaster. Er führte unter anderem für den »wohlstandsneurotiker«, dem Podcast der neulandrebellen, Interviews mit Daniele Ganser, Lisa Fitz, Ulrike Guérot, Gunnar Kaiser, Dirk Pohlmann, Jens Berger, Christoph Sieber, Norbert Häring, Norbert Blüm, Paul Schreyer, Alexander Unzicker und vielen anderen. Zusätzlich veröffentlicht er Texte auf verschiedenen Plattformen und ist für unsere Podcasts der »Technik-Nerd«.
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