Lustlos in den Krieg

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Angriffskriege sind keine Erfindung des Jahres 2026, sie werden schon sehr lange geführt. Doch die Erfolgsaussichten der Angreifer haben sich im Laufe der Zeit deutlich reduziert. Das hat neben strategischen und technischen Aspekten auch etwas mit der Motivation der Bevölkerung zu tun, in den Krieg zu ziehen.

Eine KI-Befragung nach gewonnenen Angriffskriegen ergab folgende Information: Die Erfolgsaussichten der Angreifer betrugen laut internationaler Konfliktforschung seit 1815 ungefähr 55 bis 60 Prozent. Je näher wir dabei der Gegenwart kommen, desto weniger erfolgreich waren die Aggressoren. Vor 1900 lag die Erfolgsquote bei 70 bis 75 Prozent, ab 1900 bis 1945 waren es nur noch 43 bis 50 Prozent, nach 1945 nur noch rund 33 Prozent.

Die Gründe der rückläufigen Zahlen für Angriffskriege sind zahlreich, und zunächst einmal haben das Völkerrecht und internationale Bündnisse dazu beigetragen, dass nach 1945 Angriffskriege der Zahl nach abnahmen. Man muss jedoch nüchtern feststellen, dass das Völkerrecht und Bündnisse wie etwa die Vereinten Nationen (UN) immer weniger Einfluss auf das weltweite Kriegsgeschehen nehmen konnten. Das hat logistische Gründe (nicht jedes Land der Welt akzeptiert alle Regeln der UN, die im Wesentlichen der westlichen Lesart folgen). Aber es hängt sicher auch damit zusammen, dass die Akzeptanz der UN insgesamt abgenommen hat.

Wie man etwa an der Ukraine sehen kann, spielt auch das Kriegsgerät eine wichtige Rolle. Wenn man bedenkt, dass eine billige Drohne Panzer, Flugzeuge und Schiffe außer Gefecht setzen können, die um ein Vielfaches aufwändiger produziert werden und ein Mehrfaches an Geld kosten, wird klar, dass ein Angriffskrieg (aber auch ein Verteidigungskrieg) heute anders geplant und geführt wird.

Den technischen Fortschritten folgte die Weiterentwicklung der Aufklärung, die Verbesserung der Panzerabwehr, die umfassende Verwendung von Daten und IT-Hilfe. Moderne Satelliten- und Drohnensysteme sind in der Lage, potenzielle Angriffe schon früh zu erkennen und entsprechend handeln zu können. All das senkt die Erfolgschancen für Angreifer erheblich.

Doch bei aller Technik, Strategie und Planung gibt es einen weiteren Grund, der dazu beiträgt, Angriffskriege immer öfter erfolglos verlaufen zu lassen: die jeweiligen Bevölkerungen.

Beispiel Ukraine

Unabhängig von der Vorgeschichte lässt sich eindeutig festhalten, dass es sich beim Einmarsch Russlands in die Ukraine um einen Angriffskrieg handelt. Abhängig von der Vorgeschichte lässt sich dagegen nicht leugnen, dass dieser Krieg verhindert hätte werden können, wenn der Westen und die USA sich offen für eine Lösung gezeigt hätten. Sie wollten das nicht, sie wollten den Krieg, und sie haben den Krieg bekommen.

Doch seitdem bricht alles ineinander zusammen. Der Krieg dauert viel länger als geplant war, sowohl Russland als auch der Westen haben mit dieser Intensität wohl nicht gerechnet. Das ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass alle Parteien hätten analysieren können, dass dieser Krieg keine 14 Tage dauern wird.

Das hängt im Wesentlichen mit der Versorgung der Ukraine mit Waffen und Logistik durch den Westen zusammen. Sicherlich spielte die Bereitschaft der ukrainischen Bevölkerung, die Angriffe der Russen zu parieren, mit hinein. Die Erzählung vom „unprovozierten, völkerrechtswidrigen, brutalen Angriffskrieg“ (zumal, wenn medienwirksam „entführte“ Kinder dazukommen) tat ihr Übriges, und so waren die Ukrainer bereit zu kämpfen.

Bis hierher stimmt die Analyse, dass Angriffskriege in modernen Zeiten immer schwerer zu gewinnen sind, der Kreml kann ein Lied davon singen. Aber schon nach kurzer Zeit funktionierte die ganze Erzählung nicht mehr (zumindest nicht außerhalb der deutschen Medienblase). Inzwischen ist die Ukraine an einem Punkt, an dem junge Männer entweder das Land fluchtartig verlassen oder im Land versuchen, sich dem Kampf (und dem damit fast 100-prozentigen Tod) irgendwie anders zu entziehen.

Die brutalen Rekrutierungen ukrainischer junger Männer sind inzwischen auf fast der ganzen Welt bekannt, entsprechend verliert Selenskyj an Rückhalt. Die Ukrainer wollen, dass der Krieg aufhört, sie haben immer weniger Lust und Mut, in diesen Krieg zu ziehen.

Und es kommt etwas erschwerend hinzu: Die westliche Erzählung über die Ukraine, Russland, die EU, die Demokratie und die Solidarität schmeckte von Beginn an schal, weil die echte und tiefe Überzeugung nicht aus der ukrainischen Bevölkerung kam, sondern von Politik und Medien konstruiert wurde. Die Tatsache, dass die Korruption in der Ukraine sich auf einem rekordverdächtigen Niveau befindet, kommt erschwerend und demotivierend hinzu.

Nicht zu vergessen die Nähe zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk. Auch sie hat zu einer deutlichen Verlängerung des Krieges geführt, denn auch wenn es im Westen anders behauptet wird, hat Russland vermutlich den Krieg deshalb noch nicht gewonnen, weil die Bereitschaft fehlt, großflächig und ohne Selektion die Ukraine anzugreifen. Für Wladimir Putin war von Anfang an klar, dass er die zivilen Opfer begrenzen möchte, schon, weil es familiäre und freundschaftliche Bindungen zwischen vielen Russen und Ukrainern gibt.

Genau diese Haltung bereitet dem russischen Präsidenten aber seit Längerem Sorgen, da die Hardliner in Moskau die Schonung der Zivilbevölkerung schon lange nicht mehr an erster Stelle sehen. Sie wollen diesen Krieg gewinnen, und nicht wenige von ihnen hätten auch gern ein „dezentes“ Zeichen in Richtung Westen gesetzt.

Da dies aber nicht das Thema dieses Textes ist, soll es hier vernachlässigt werden.

Kriegsmüdigkeit nach Clausewitz

Kriegstüchtigkeit, wie ihn sich deutsche Politiker vorstellen, ist in der Summe in Deutschland kaum vorhanden. Das mag an der Vernachlässigung der Bundeswehr und ihrer Ausrüstung liegen. Doch die materiellen Defizite sind nicht entscheidend, wenn es um das Gewinnen eines Krieges geht. Man sieht speziell am Ukraine-Krieg, dass verhältnismäßig billige Drohnen militärisches Gerät mit wenig Aufwand stören oder zerstören können.

Aber die Ukraine hat ein weiteres Problem: Ihr gehen die Soldaten aus. Die einen sterben auf dem Schlachtfeld, die anderen desertieren, wieder andere verlassen die Ukraine gleich ganz, wenn sie können. Die Zahl der Zwangsrekrutierungen hat seit Kriegsbeginn erheblich zugenommen, und auch wenn deutsche Mainstream diese „Busifizierung“ (also das Verschleppen wehrfähiger Männer in kleine Busse) ignorieren, gibt es sie dennoch.

Folgende Aspekte nach Clausewitz sind beachtenswert, wenn es um den (fehlenden) Rückhalt für „die Truppe“ geht:

  • Einbruch der Kampfmoral: Soldaten, die keinen Sinn in ihrer Mission sehen, zeigen geringere Kampfbereitschaft. Die Folgen sind hohe Deserteursquoten, mangelnde Eigeninitiative und die schnelle Bereitschaft, sich zu ergeben.
  • Widerstand gegen die Mobilisierung: Wenn die Verluste steigen und der Nachschub knapp wird, erfordert ein Krieg die Einberufung neuer Kräfte. Ohne gesellschaftlichen Rückhalt führt dies zu massiver Fahnenflucht, Flucht ins Ausland und gezielter Sabotage.
  • Erpacken der „Heimatfront“: Moderne Kriege belasten die gesamte Wirtschaft. Ohne das Verständnis der Bevölkerung führen wirtschaftliche Entbehrungen, Sanktionen und kriegsbedingte Einschränkungen rasch zu Streiks, zivilem Ungehorsam und Protesten.

Aus militärstrategischer und politikwissenschaftlicher Sicht ist ein Angriffskrieg ohne den Rückhalt der eigenen Bevölkerung kaum nachhaltig zu führen und endet historisch sehr häufig im militärischen Scheitern oder im Zusammenbruch der eigenen Regierung, denn:

  • Hohes Machtverlust-Risiko:
    • In Demokratien führt ein unpopulärer Krieg fast zwingend zum Abwählen der Regierung (wie bei den USA während des Vietnamkriegs).
    • In Autokratien steigt mit der Dauer eines sinnfreien Krieges das Risiko von Militärputschen, Palastrevolutionen oder Volksaufständen (wie in Russland 1917 oder Argentinien nach der Niederlage im Falklandkrieg 1982).

Durch globale Vernetzung, soziale Medien und Messenger-Dienste dringen Verlustzahlen und Bilder vom Fronteinsatz heute trotz staatlicher Zensur in die Heimat durch. Die Bereitschaft der Bevölkerung, Verluste für einen Angriffskrieg hinzunehmen, erodiert im Digitalzeitalter um ein Vielfaches schneller als in früheren Jahrhunderten.

Ein Angriffskrieg ohne den Rückhalt im eigenen Land ist somit aus Sicht der Staatsführung extrem unklug: Das Risiko, dass der Konflikt nach innen umschlägt und das eigene System destabilisiert, ist fast immer größer als der potenzielle militärische Raumgewinn.

Beispiel Iran

Man kann von den US-Präsidenten halten, was man will, aber zumindest war keiner so dumm, sich auf einen direkten Konflikt mit dem Iran einzulassen. Aus guten Gründen. Dann kam Donald Trump und warf alle guten Gründe über den Haufen. Mit einer Mischung aus geopolitischer Ahnungslosigkeit, eigenem Größenwahn und völlig unrealistischen Annahmen (man möchte wissen, welche Berater Trump zu dem geraten haben, was er im Iran anstellt), beschloss der Mann im Weißen Haus, dem Iran zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Der ließ sich davon aber nicht beeindrucken. Und steht heute stärker und entschlossener da als noch vor einigen Wochen und Monaten. Womöglich hat Trump Carl von Clausewitz nicht gelesen, vielleicht weiß er nicht einmal von seiner Existenz und kennt die drei Faktoren nicht, die gegen einen erfolgreichen Krieg sprechen:

1. Friktion (Reibung): Unvorhergesehene Schwierigkeiten, Missverständnisse, Fehler und organisatorische Probleme verhindern, dass militärische Pläne wie vorgesehen umgesetzt werden.

2. Nebel des Krieges (Ungewissheit): Informationen über den Gegner, seine Absichten und die tatsächliche Lage sind unvollständig, widersprüchlich oder falsch. Dadurch werden Entscheidungen erschwert.

3. Zufall: Unkontrollierbare Ereignisse, etwa Wetter, unerwartete Reaktionen des Gegners oder unvorhersehbare Entwicklungen, können den Kriegsverlauf entscheidend beeinflussen.

Blickt man auf den Iran, kommt alles zusammen, was zum Scheitern nötig war. Trump kennt den Iran vermutlich so gut wie Einsteins Tagebücher, daher kann es nicht überraschen, dass die USA (also alle Beteiligten) die Lage im und mit dem Iran völlig falsch eingeschätzt haben.

Trotzdem unterscheiden sich die USA von anderen Ländern, weil sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Schritt für Schritt ihre Kriege aus der Ferne führen. Das führte etwa im Vietnamkrieg zu Widerstand in den Vereinigten Staaten, andere Kriege, Regime Changes und sonstige Einflussnahme versuchten die USA vermehrt, ohne den Einsatz eigener Soldaten zu führen.

Doch seit der Iran erfolgreich mit seinen Gegenaktionen gegen die USA und Israel war und die Straße von Hormus kurzerhand geschlossen hatte, wächst auch in den USA die Unzufriedenheit über die Konfrontationspolitik. Trump begreift also sehr wohl, dass er in einer ungünstigen Lage ist, er will die Midterm-Wahlen in jeden Fall siegreich überstehen, und so tut er (mal wieder) Dinge, die in der EU und der Ukraine auf Unverständnis stoßen und massiv kritisiert werden.

Ob ihm all das helfen wird, wird man sehen.

Beispiel Deutschland

Dank der Politiker Deutschlands scheint es schon fast ein Gesetz der Wiederholung zu geben. Da sie weder willens noch in der Lage sind, Diplomatie zu leben, tendieren sie in die entgegengesetzte Richtung. Das wird international – auch und gerade in Moskau – durchaus registriert.

Politiker, die Deutschland „kriegstüchtig“ machen wollen, in Russland „schon immer einen Feind“ gesehen haben und den Krieg „tief nach Russland tragen“ wollen, haben nicht unbedingt die Strahlkraft friedfertiger Diplomaten, sondern eher die unkontrollierter Kriegstreiber.

Allerdings haben wir heute eine Situation, die nicht mit der von dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist. Und damit sind in diesem Fall nicht einmal die geopolitischen, politischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Voraussetzungen gemeint. Schon sie allein sind mit den genannten Kriegen nicht sinnvoll vergleichbar.

Der wichtigste Aspekt ist die deutsche Bevölkerung. Die Chronologie der ersten beiden Weltkriege ist eine andere als die heutige. Durch wirtschaftliche Not und einem Maximum an Propaganda waren die Kriegsgewinnler damals in der Lage, die Bevölkerungen in einer Art Begeisterung zu versetzen. Jene anfängliche Begeisterung wird übrigens im Buch „Im Westen nichts Neues“ eindrucksvoll aufgezeigt.

Heute funktioniert zumindest die Propaganda nicht so wie damals. Zwar haben beide Zeiträume gemein, dass durch die Konstruktion eines Feindes (oder mehrerer Feinde) die Bevölkerung in einen Zustand der Abwehrbereitschaft gebracht wurde, der letztlich, wie wir wissen, sogar zu Angriffskriegen wurde. Und in beiden Fällen wird das sogenannte „Bedrohungsszenario“ so aufgebaut, dass in der Folge ein eigener Angriff als einzige (präventive) Lösung formuliert wird. Doch die Bevölkerung Deutschlands kann mit dem Feindbild Russland in der Summe ziemlich wenig anfangen. Im Osten Deutschlands sind die Erfahrungen mit den Russen bzw. den Sowjets alles in allem deutlich positiver als das im Westen der Fall ist, wobei man im Osten von wirklichen Erfahrungen sprechen kann, im Westen muss dagegen die reine Behauptung ausreichen, der Kreml sei aggressiv und wolle zuerst die Ukraine auslöschen, dann baltische Länder angreifen, um an Ende Deutschland bzw. die EU zu bombardieren.

Politik und Mainstreammedien bilden bei der Erzählung vom „bösen Russen“ eine breite Front, die zumindest in Teilen auch bei den Menschen ankommt. Aber realistisch betrachtet, wird all das nicht reichen, um aus den Deutschen eine wirklich kriegsbereite Bevölkerung zu machen. Man sieht das beispielsweise an den überdurchschnittlich vielen Jugendlichen, die sich gegen die weitere Militarisierung wehren und gegen den Wehrdienst auf die Straße gehen.

Sie, die jungen Menschen, sind es aber in erster Linie, die zum Führen eines Krieges bedeutsam sind. Sie müssen in Begeisterung versetzt werden, sie müssen bereit sein, auf andere Menschen zu schießen und gegebenenfalls selbst erschossen oder sonst wie getötet zu werden. Fehlt der völlige Einsatz bei der Jugend, werden auch die Bürger im fortgeschrittenen Alter sich eher von dieser abwehrenden Haltung anstecken lassen.

Die fast schon verzweifelten Versuche Prominenter und solcher, die es gern wären, die Kriegstrommel zu rühren und pathetisch auf die eigene Verteidigungsbereitschaft zu zeigen, kann man unter „peinlich, peinlich“ abhaken, bei den allermeisten Jugendlichen ziehen diese durchschaubaren Versuche der Manipulation nicht. Abgesehen davon hat es schon etwas Lächerliches, wenn ältere Herren wie Campino von den „Toten Hosen“ irgendwas von Krieg und Verteidigung schwafeln, obwohl jeder weiß, dass er selbst ganz sicher nicht in welchen Krieg auch immer ziehen wird.

Vermutlich gehen eher die Plattenverkäufe der „Toten Hosen“ zurück, als dass ein Jugendlicher für seinen musikalischen Helden in den Krieg ziehen würde.

Es wäre natürlich zynisch, würde man behaupten, die deutschen Propagandisten der beiden ersten Weltkriege seien „besser“ als die heutigen gewesen. In jedem Fall aber waren sie – Stand jetzt – effizienter und effektiver.

Was nicht ist, kann noch werden …

Aus die Maus? Geschichte erzählt? Kein Krieg mit den Deutschen, die sich weigern, bei diesem Wahnsinn mitzumachen? Das wäre zu kurz gedacht.

Zum Kriegführen gehört neben dem Feindbildaufbau der Aufbau von Armut, von wirtschaftlicher Not. Diese Arbeit befindet sich in Deutschland noch recht weit am Anfang, wenngleich die Auswirkungen der kriegerischen Politik bereits absehbar sind. Und die Einschnitte in den Sozialstaat sind ja schon recht drastisch, die schon jetzt Armen werden noch ärmer, und die, die bislang glaubten, an ihnen würde der Kelch vorbeiziehen, spüren den wirtschaftlichen Druck auch schon.

Für eine kollektive Kriegstüchtigkeit reicht das Leid aber noch lange nicht aus, und man darf neben der fachlichen Unfähigkeit unserer Politiker keinesfalls deren nicht minder ausgeprägte Skrupellosigkeit unterschätzen. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, Aspekte des „Tiefen Staates“ und den Einfluss mächtiger Unternehmen wie „BlackRock“ zu analysieren, wenngleich beide Faktoren überaus wichtig sind.

Doch um die aktuelle Entwicklung zu verstehen, reicht es bereits aus, wenn man bedenkt, dass die Politiker in Deutschland faktisch die Entscheidung des Kriegführens bereits getroffen haben. Das mag an den Abhängigkeiten liegen, an individueller Erpressbarkeit, an Bestechung und schlichter Gier aufseiten unserer Politiker. Es liegt aber auch daran, dass es nun einmal leichter ist, ein Volk verarmen und ausbluten zu lassen, als dafür zu sorgen, dass alle ein gutes Auskommen haben.

Was wir jetzt erleben, ist eine Art Wettlauf zwischen Politik und Bevölkerung. Die Vorbereitungen für einen Krieg (und es wird ein Angriffskrieg auf Russland werden) können zumindest mit Vernunft und guten Worten nicht mehr verhindert werden. Inzwischen hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die kaum noch zu stoppen ist.

Während also die Politik dem Krieg mit vollem Einsatz entgegensteuert, ist die deutsche Bevölkerung verunsichert, zumal sie von der Obrigkeit gespalten wird, wo es nur geht. Letzteres ist bereits eine Kriegshandlung, denn die Sanktionierungen und weiteren Repressionen, die kritische Menschen schon heute erfahren, sind keineswegs plumpe Versuche, „unsere Demokratie“ zu retten, sie sind vielmehr die vorbereitenden Maßnahmen, um mit kritischen Geistern später nicht mehr zurechtkommen zu müssen, wenn wir uns längst in einer Ausnahmesituation befinden.

Fazit

Der soeben erwähnte Wettlauf zwischen Politik und Bevölkerung ist ein existenzieller. Gegeneinander angetreten sind die, die den Krieg wollen und ihn bereits gegen die eigene Bevölkerung führen, und die, die vielleicht nicht alle Zusammenhänge verstehen, aber instinktiv wissen, dass sie keinen Krieg wollen.

Die Propagandamaschine ist zwar angelaufen, aber von der kriegerischen „Betriebstemperatur“ ist sie noch recht weit entfernt. Die nächsten Schritte werden vermutlich Dinge wie ein verpflichtender Wehrdienst sein und der weitere Ausbau des selbst hergestellten Bedrohungsszenarios. In Anbetracht der bisher geschilderten Aspekte und hinsichtlich der fehlenden Bereitschaft der Bevölkerung, Krieg führen zu wollen, wird das Ziel derer, die den Krieg in sich tragen, jedoch nicht so leicht zu erreichen sein.

Es gibt nun – erneut: Stand jetzt – zwei Möglichkeiten:

  1. Die Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung wird doch noch in „ausreichendem“ Maße aufgebaut, der Wille, die Begeisterung, das Gefühl der Notwendigkeit, gegen Russland Krieg zu führen, wächst und lässt sich weiter steigern.
  2. Die Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung lässt sich nicht aufbauen, stattdessen wächst die Kritik, wächst der Widerstand, auch gegen die sozialen Kahlschläge und die Repressionen.

Sicher gibt es noch einige Optionen dazwischen, doch die Tendenz sieht so aus, wie sie sich derzeit darstellt.

Was der Bevölkerung Deutschlands in jedem Fall klar sein muss, ist Folgendes: Selbst, wenn die Verweigerungshaltung zum Krieg Bestand haben wird, wird das nicht zur politischen Erkenntnis führen, dass ein Krieg nicht zu gewinnen sei, weil das nur möglich ist, wenn das Volk, das in den Krieg geschickt wird, diesen auch als Notwendigkeit erkennt.

Wir sprechen hier immerhin von einem Krieg gegen eine Atommacht. Wer bereit ist, sich auf einen solchen tödlichen, endgültigen Kampf einzulassen, der hat jegliches Gefühl für eine realistische Einschätzung verloren. Dem ist es also auch egal, wenn der angestrebte Krieg verloren wird.

 

 

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Tom J. Wellbrock
Tom J. Wellbrockhttps://neulandrebellen.de/
Tom J. Wellbrock ist Journalist, Autor, Sprecher, Radiomoderator und Podcaster. Er führte unter anderem für den »wohlstandsneurotiker«, dem Podcast der neulandrebellen, Interviews mit Daniele Ganser, Lisa Fitz, Ulrike Guérot, Gunnar Kaiser, Dirk Pohlmann, Jens Berger, Christoph Sieber, Norbert Häring, Norbert Blüm, Paul Schreyer, Alexander Unzicker und vielen anderen. Zusätzlich veröffentlicht er Texte auf verschiedenen Plattformen und ist für unsere Podcasts der »Technik-Nerd«.
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