Seit Jahren verfolge ich nun schon Debatten im analogen und digitalen Raum, die sich um die Frage drehen, ob wir es in Deutschland mit dummen Politikern zu tun haben. Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so schwer. Aber auch nicht so wichtig.
Selbstverständlich haben wir in Deutschland dumme Politiker! Man muss nicht einmal Namen nennen, und der Hinweis auf 360-Grad-Wenden oder Länder, die in hunderttausenden Kilometer Entfernung liegen, ist nur die offenkundige Spitze des Eisbergs. Vor einer Weile sagte ein russischer Diplomat, man ändere in Russland gerade die Art der Kommunikation mit Politikern aus Deutschland. Der Mann war zum Schluss gekommen, dass man eine einfache Sprache verwenden müsse, wenn man mit deutschen Politikern spreche, sie würden ab einem bestimmten Niveau des Sprachgebrauchs einfach nicht mehr verstehen, was man ihnen sagen wolle.
Nun ist das auf der einen Seite natürlich eine Provokation, und die ist bei rivalisierenden Systemen eher die Regel als die Ausnahme. Dass aber ausgerechnet die Fähigkeit, Sprache zu verstehen der Ausgangspunkt für die Bemerkung des russischen Diplomaten war, lässt tief blicken. Er sagte das übrigens ohne Häme, sondern eher mit einer gewissen Ratlosigkeit. Man muss ihn verstehen, denn die deutsche Diplomatie war nach dem Zweiten Weltkrieg durchaus angesehen in der Welt. Heute ist davon nur noch ein Haufen vor sich hin sabbernder Nachwuchsplapperer geblieben, die sich intellektuell auf dem Niveau einer Fruchtfliege bewegen.
Dumm klickt gut
Kennen Sie Emilia Fester? Die grüne Nachwuchspolitikerin saß während der Corona-Episode im Bundestag und hatte besonders zur Impfpflicht eine klare Meinung. In Richtung der AfD, die gegen eine Pflicht zur Impfung war, giftete Fester, dass sie während der gesamten „Pandemie“ keine Uni von innen gesehen habe. Das hänge durchaus mit diesen ganzen Unvernünftigen zusammen, sprach’s und neigte ihr Köpfchen in Richtung der AfD-Fraktion.
Es ist zu hoffen, dass niemand von der AfD damals vor Scham im Erdboden versinken wollte, denn Emilia Fester hatte auch vor Corona nie eine Uni von innen gesehen, es sei denn, Mama und Papa haben einen Ausflug mit ihr gemacht. Auf Wikipedia lesen wir:
„Emilia Fester entstammt einer Theaterfamilie.[1] Ihr Vater Florian Brandhorst ist Schauspieler und Chorleiter, ihre Mutter Andrea Fester Schauspielerin und Co-Leiterin des Theaterpädagogischen Zentrums Hildesheim.[2] Fester besuchte die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim.[3] Nach dem Abitur im Jahr 2017 zog sie nach Hamburg. Dort arbeitete sie als freischaffende Regieassistentin im Kinder- und Jugendtheater und bewarb sich erfolglos auf einen Studienplatz an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.[1] Von 2018 bis 2019 arbeitete sie als Regieassistentin und Bühnenhelferin am Jungen Schauspielhaus Hamburg.[4]“
Man könnte sich fragen, ob der Grünen denn nicht klar war, dass so etwas rauskommt. Aber auch ohne Universitätsabschluss oder gelegentliche Besuche in solch einer Einrichtung kann man es zu etwas bringen. Im Falle Festers könnte man das Abitur anführen, aber auch ihre offenkundig kreative Ader, die sie zwar in die Wiege gelegt bekommen hat, die aber nicht reichte, um den Sprung in die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg zu schaffen. An dieser Stelle sei betont, dass der Beruf der Bühnenhelferin ehrenwert und sicher kein Grund ist, über Emilia Fester herzuziehen.
Außerdem hat die grüne Politikerin, die bei der letzten Bundestagswahl ihr Direktmandat verfehlt hat, nicht nur das Klima fest in ihrem Herzen, das es unbedingt zu retten gilt, in erster Linie natürlich gegen diese impfunwilligen AfD-Mitglieder. Sie betätigt sich seit September 2025 auch bei der Seenotrettungsorganisation Sea Eye in Italien, zumindest hat sie das angekündigt.
Und sonst so? Tanzt Emilie Fester gern mal ihren Namen und tobt sich in den sozialen Medien aus. Fester ist das, was heute viele Politiker auszeichnet: Sie ist selbstbewusst (und wie!), sie findet sich attraktiv, das merkt man, wenn man ihr zusieht und ihr zuhört, und sie ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Das mag frauenfeindlich oder sonstwie politisch nicht korrekt klingen, aber die Fakten zu ignorieren oder zu leugnen, dient der Sache ja nun auch wieder nicht.
Wirklich alle dumm?
Man kann über die Frage nachdenken, ob Emilia Fester dumm ist oder nur ein bisschen zu wenig Informationen gesammelt hat. Man könnte diesbezüglich auch darüber sinnieren, ob Annalena Baerbock, ihres Zeichens immerhin eine Legislaturperiode lang Deutschlands Außenministerin, ebenfalls erhobenen Hauptes am Trog der Informationen vorübergezogen ist oder womöglich doch Dummheit zutage tritt, wenn jene Außenministerin die Erde einfach mal so um ein paar Hunderttausend Kilometer ausdehnt. Letztlich dreht man sich hierbei aber im Kreis und landet 360 Grad später wieder da, wo man losgezogen ist.
Zudem: Das Problem der intellektuellen Übersichtlichkeit trifft man erstens nicht nur bei den Grünen und zweitens nicht nur bei Politikern an, die irgendwas mit Theater gemacht haben, aber ansonsten lediglich selbiges nur veranstalten. Auch Politiker anderer Parteien und mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel bestechen immer wieder durch erschreckende Unkenntnis. Kürzlich äußerte sich der Volkswirt Heiner Flassbeck zu den aktuellen Rentenplänen der Bundesregierung. Man muss, wenn man sich Flassbeck anhört, fast schon Mitleid mit dem Mann haben, denn er kennt sich bei ökonomischen Fragen nun wirklich gut aus und verzweifelt an der Inkompetenz deutscher Wirtschaftspolitiker.
Aber dennoch: Dummheit allein reicht nicht als Erklärung, um den Wahnsinn zu verstehen, dem wir ausgesetzt sind.
Dumm verlaufen
In Deutschland hat sich schon seit Längerem eine Entwicklung abgezeichnet, in deren Verlauf mit jeder neuen Generation von Politikern das Niveau etwas weiter abgesenkt wurde. Es gibt Gerüchte, dass das Global-Leader-Programm des WEF neu aufgelegt wurde, und zwar mit dem Ziel, möglichst brave und leicht händelbare Persönlichkeiten an den Schalthebeln der Berliner Macht zu postieren. Der Gedanke ist gar nicht so weit hergeholt, wenn man etwa bedenkt, dass ein Gerhard Schröder seinerzeit nicht bereit war, mit den USA in den Irak-Krieg zu ziehen. Das kam in Washington damals gar nicht gut an. Beim Jugoslawien-Krieg war der SPD-Kanzler dann zwar wieder auf Linie, aber eine schwer zu berechnende Größe war der Genosse eben trotzdem.
Inzwischen ist alles „saubergeputzt“, Deutschlands Politiker sind so charismatisch wie fiebrige Feldmäuse und analytisch so fähig wie Putzlappen. Aus US-amerikanischer Sicht sind sie aber vor allem pflegeleicht. Wir alle erinnern uns an den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz, wie er im Weißen Haus stand und Präsident Joe Biden lauschte, der gerade angekündigt hatte, die Nord-Stream-Pipelines zu erledigen. Betreten blickte der Kanzler zu Boden und wirkte, als wünsche er sich ein großes Loch, in das er einfach verschwinden könne. Wir sehen vor unserem geistigen Auge die politische Bereitschaft, Deutschland in eine volkswirtschaftliche Einöde zu verwandeln, indem billige russische Energie in die US-Tonne getreten wird, um die Abhängigkeit zu den USA in ungeahnte Höhen zu treiben.
Diese Beispiele sind nicht unbedingt Belege für Dummheit, aber für ein Minimum an Souveränität und ein Maximum an Speichelleckerei gegenüber denen, die das Heft in der Hand halten. Und die sitzen nicht in Berlin.
Die Gefahren der Verantwortungslosigkeit
Halten wir fest: Deutschland hat heute mehr dumme Politiker als zu früheren Zeiten. Das kann unterschiedliche Gründe haben, doch unterm Strich ist das für die Bürger egal. Die emotionale und intellektuelle Distanz zwischen Emilia Fester und den meisten Bürgern in Deutschland dürfte ohnehin extrem groß sein, und es ist sicher kein Zufall, dass Fester bei der letzten Bundestagswahl bei den Wählern nicht erneut punkten konnte. Allerdings hatte Fester nicht viel zu melden, und außer ihren mehr oder weniger hochnotpeinlichen Auftritten am Rednerpult des Bundestages hat sie während ihrer Amtszeit nicht viel kaputtgemacht – sieht man einmal vom Nervenkostüm derer ab, die ihr zuhören mussten.
Die Frage, ob Deutschlands Politiker – oder: ein Großteil von ihnen – dumm sind oder nicht, beschäftigt viele Nutzer von sozialen Medien schon seit Jahren. Meist stehen sich zwei Fraktionen gegenüber, die einen, die Stein und Bein schwören, dass wir es mit Dummheit zu tun haben. Und die anderen, die dem entgegenhalten, die Politiker seien nicht dumm, sie wüssten genau, was sie tun.
Nur: Warum muss das eine das andere ausschließen? Eine Annalena Baerbock wusste sicher ganz genau, was sie tut, ihr vorgegebenes Ziel war die Schwächung, besser noch die Zerstörung Russlands. Baerbock war da sehr klar. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich der Konsequenzen bewusst ist, die ihre politischen Ziele zur Folge haben können. Ganz bestimmt aber weiß Baerbock nicht, dass sie aktiv und massiv dazu beigetragen hat, die wirtschaftlichen, politischen und diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland nachhaltig beschädigt zu haben.
Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt! Die Kombination aus Ignoranz, Sorglosigkeit, Inkompetenz und Hörigkeit gegenüber ihren „Chefs“ aus den USA hat dazu geführt, dass Deutschland schwere Zeiten bevorstehen. Baerbock hat das zu verantworten, gemeinsam mit Robert Habeck und zahlreichen anderen Politikern, die die Entscheidungen für Deutschland treffen. Alle sind sich keiner Schuld bewusst, im Gegenteil, sie sind der Meinung, Gutes getan zu haben.
Ein ähnliches Phänomen ist bei der aktuellen Kriegshetze zu beobachten, die in Deutschland flächendeckend zu sehen ist. Vom unbedeutenden Redakteur der Lokalzeitung in Braunschweig bis hin zum Bundeskanzler Friedrich Merz scheinen alle völlig am Rad zu drehen. Wollte Baerbock Russland „nur“ ruinieren“, möchte Roderich Kiesewetter gleich den Krieg nach Moskau tragen, andere wünschen sich deutsche Soldaten in der Ukraine, wieder andere fordern eine Aufstockung der Bundeswehr in Bereichen, die weit über das Zulässige des Zwei-plus-Vier-Vertrages hinausgehen.
Der letzte Punkt ist wichtig, denn man kann, man muss davon ausgehen, dass gar nicht wenige Politiker in Deutschland, die derlei Forderungen formulieren, den Inhalt des Zwei-plus-Vier-Vertrages gar nicht kennen, und selbst die Annahme, dass es Leute in Berlin gibt, die nicht einmal etwas von der bloßen Existenz des Vertrages wissen, kann nicht von der Hand gewiesen werden.
Dummheit? Fehlende Informationen? Einfach zu wenig Bildung abbekommen? Vermutlich sind das keine Oder-Fragen, sondern Und-Fragen, denn das fehlende Wissen in gesellschaftlichen wirtschaftlichen und politischen sowie geopolitischen Zusammenhängen ist so eklatant, dass selbst die oben erwähnte Feldmaus mit Fieber es durchschauen kann.
Am Ende bleibt die Verantwortungslosigkeit der politischen Akteure, die den Wohlstand massiv absenken, die Wirtschaft schädigt und die Gesellschaft spaltet. Wir müssen uns bewusst machen, dass es in Deutschland Kinderarmut gibt, die Obdachlosigkeit wächst, die Altersarmut sehenden Auges zunimmt, Bildung, Gesundheit, Rente und Infrastruktur in bemitleidenswerten Zuständen sind. All das müssen die Bürger ausbaden, zahlen und die Folgen ertragen. Verantwortungsvolle Politiker würden sich um diese Dinge kümmern, bevor sie irgendetwas anderes angehen.
Doch das Gegenteil passiert. Gerade erleben wir nicht nur den „Abverkauf“ des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhalts, gleichzeitig wird auf die „Kriegstüchtigkeit“ gepocht, aufgerüstet, bis der Arzt kommt – oder nicht mehr kommen muss, sollten wir den atomaren Fall Down erleben – und die Beziehungen auf der ganzen Welt werden auf harte Proben gestellt, um nicht zu sagen: in ihren Grundfesten erschüttert. Und all das, um gegen einen konstruierten Feind zu kämpfen, der erstens nicht die Mittel und zweitens nicht das Interesse daran hat, Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder auch nur Liechtenstein anzugreifen, der aber im Zweifel lieber Atomwaffen einsetzen würde, statt sich den westlichen Attacken und Angriffen zu ergeben.
Und in dieser Gemengelage stellt sich ein Kanzler namens Friedrich Merz hin und fabuliert über seinen Anspruch, die größte konventionelle Armee in ganz Europa aufbauen zu wollen.
Ist das Dummheit oder kann das weg?

